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Staffelseemuseum Seehausen

Staffelseemuseum Seehausen

Neukonzeption und Neugestaltung des ehemaligen Heimatmuseums in Seehausen am Staffelsee im denkmalgeschützten alten Pfarrhof

Projektinitiator: Heimat- und Museumsverein Seehausen am Staffelsee e. V.
Gesamtkosten: 225.000,00 €
Förderfähige Kosten: 225.000,00 €
Förderung: 85.000,00 €
Status: abgeschlossen

Projektinhalt:

Das Fischerdorf Seehausen am Staffelsee hat in der Zeit seines Bestehens bedeutenden Einfluss auf die Region und darüber hinaus und brachte Persönlichkeiten hervor, welche u. a. für die Geschichte Bayerns prägend waren. Ebenso der Staffelsee mit seinen Inseln trug dazu einiges bei.

Die Hauptthemen des Staffelseemuseums sind die bereits in der Bronzezeit ansetzende Kulturgeschichte der Region, die ihren Beginn auf der Insel Wörth hat, sowie der wirtschaftliche Aspekt des Staffelsees für die Region und darüber hinaus mit Schwerpunkt auf die Fischerei, ferner die überregional bedeutende religionshistorische Tradition der Fronleichnamsprozession auf dem Staffelsee, und schließlich die Kunst der Hinterglasmalerei als ein europaweites Spezialthema in der Kunstgeschichte.

Die größte Insel im Staffelsee – die Insel Wörth – wurde nachweislich bereits in der Bronzezeit als Schutzgebiet besiedelt. Römische Mauerreste aus dem 4./5. Jahrhundert konnten frei gelegt werden, genau wie auch die Überreste einer Steinkirche aus dem 7. Jahrhundert. Die Ausgrabungen fanden von 1992 bis 1997 in den Sommermonaten durch die Prähistorische Staatssammlung unter der Leitung von Dr. Brigitte Haas-Gebhard und Dr. Barbara Wührer statt. Um 740 wurde ein Kloster errichtet das reich ausgestattet war. Es gab neben einer Bibliothek auch eine Schreibstube. Wahrscheinlich ist dies der Entstehungsort des „Wessobrunner Gebets“. Um 800 war die Wörth unter Bischof Simpert ein Bistum.

Sogar Kaiser Otto III. war am 17. Januar 1000 dort zu Gast. Auch der heilige Ulrich besuchte des Öfteren die Insel. Nach dem Ende des Klosters verblieb die Pfarrkirche von Seehausen auf der Insel. Ein 290 m langer und nur 90 cm breiter Steg verband das Festland mit der Insel. Schöffau und Murnau waren Teil dieser Pfarrei. Im Laufe der Jahrhunderte hatte dann das im Jahre 1330 gegründete Kloster Ettal das Sagen.

Der beschwerliche Weg zur Pfarrkirche war letztlich der Grund, die Kirche auf dem Festland zu errichten (1773/74). Der Privatmann und Seehauser Buchhändler Matthäus Rieger zahlte das Umsetzen der Kirche. Ebenso stiftete Rieger den Pfarr-hof – wo nun das Museum untergebracht wird – sowie das erste Schulhaus in Seehausen. Durch die Säkularisation konnte im Jahre 1803 Josef von Utzschneider die Insel erwerben. Sein Bruder Paul ließ dann die jetzige Simpertkapelle erbauen (1838).

Auch ist die Fischerei am Staffelsee untrennbar mit der Gemeinde Seehausen verbunden, zu der auch die Dörfer Rieden und Riedhausen sowie der See in seiner Gesamtheit gehören. Die Besitzverhältnisse und Nutzungsrechte am See wechselten häufig. 1341 schenkte Kaiser Ludwig der Bayer die Sögen (Zugnetze) mit „allen Nutzen, Rechten und Gewohnheiten und dazu gehört Holz, Veld, Wis, Acker, Wördt (Insel Wörth) und Wasser“ dem Kloster Ettal. Die Fischrechte wurden vergeben und die Lehensinhaber mussten an das Kloster sowohl einen Teil ihrer landwirtschaftlichen Produkte einschließlich eines Kontingents an Fischen abgeben. Da es immer wieder zu Problemen unter den Fischern sowie zwischen Fischern und Kloster kam, wurde in Seehausen ein Seegericht aufgestellt und Abt Maurus schuf die „Kloster-Ettallische-Fisch-Ordnung“. Diese Ordnung wurde bis heute nicht außer Kraft gesetzt und enthält Regeln zur Befischung und zur Hege des Bestands im See. Durch die Säkularisation 1803 ging der See mit Land und Wasser auf den Bayerischen Staat über, die Inseln wurden veräußert und die Fischereirechte 1810 nach langwierigen Verhandlungen von den einzelnen Stifts- und Lehensträgern erworben. 1939 wurde die Fischereigenossenschaft Staffelsee in ihrer heutigen Form gegründet. Die Bewirtschaftung des Sees erfolgt durch diesen Zusammenschluss, wobei alle Fischer im Nebenerwerb arbeiten. Die häufigsten Fische im See sind Aal, Aitel, Barsch, Brachse, Forelle, Hasel, Hecht, Karpfen, Renke, Rotauge, Rotfeder, Rutte, Schleie und Zander. Das Streben der Fischer gilt in einem schwierigen Umfeld dem Erhalt „ihres“ Sees und eines der reinsten und deshalb wertvollsten Nahrungsmittel, das heute noch zu bekommen ist: Fische aus einem freien Gewässer, herangewachsen ohne Chemie und Zusatzfutter.

Wenn man vom Staffelsee spricht, darf die Fronleichnamsprozession nicht vergessen werden. Diese bayernweit einmalige Seeprozession zieht jedes Jahr tausende Besucher an. In Erinnerung an die damalige Pfarrkirche auf der Insel Wörth, wird mit der Monstranz auf diese übergesetzt. In einem festlichen Zug ziehen die Gläubigen zur jetzigen Simpertkapelle, wo einer von vier Altären aufgebaut ist.

Ein weiterer Schwerpunkt – neben der Fischerei – war die Hinterglasmalerei in Seehausen am Staffelsee. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts ist der Staffelsee auch ein Zentrum der oberbayerischen Hinterglasmalerei. In Seehausen waren es zwei Familien – die Noders und Geges – die etwa hundert Jahre lang die Hinterglasmalerei parallel und in großem Umfang betrieben. Die Hinterglasmalerei wurde als freies Hausgewerbe z. Teil im Nebenerwerb, in Familienwerkstätten durchgeführt. Diese große Bedeutung erlangte die Hinterglasmalerei durch die nahe gelegene Aschauer Glashütte. Diese produzierte neben etlichen Glasprodukten wie Flaschen, Kugeln Weingläser usw., die für die Malerei notwendigen Glasscheiben. Aus dem noch erhaltenen Hüttenbuch geht hervor, dass an einzelne Dorfgemeinschaften bis zu 40.000 Scheiben geliefert wurden. Daraus lässt sich der hohe Stellenwert dieser Handwerkskunst im Staffelseeraum erkennen. Das Museum besitzt von den beiden Hinterglasmalerfamilien eine umfangreiche Sammlung, unter anderem die 14 Stationen eines kompletten und seltenen Kreuzweges von Alois Gege.

Zu den Persönlichkeiten des Ortes gehören neben dem schon erwähnten Verleger und Buchhändler Matthäus Rieger, auch Andreas Andre – seines Zeichens Königlich bayerischer Hofkammerrat – sowie Joseph von Utzschneider, welcher unter anderem Kurfürstlicher Kammerrat, 2. Bürgermeister von München, Staats- und Volkswirt und Erster Industrieller Bayerns war.

Diese und weitere Themen sollen in dem neuen Staffelseemuseum dargestellt werden.

Projektziele:

Die Zielsetzung des Projekts ist durchaus vielschichtig und muss in drei Bereiche aufgeteilt werden.

Die Zielsetzung für die Ortschaft Seehausen am Staffelsee

Die Erhaltung und Ausstellung von Brauchtum, Tradition und Kulturgüter der Gemeinde Seehausen am Staffelsee und unserer Heimat. Ein weiterer Punkt ist die Erforschung der Geschichte des Ortes und seines Staffelsees. Ebenso gehört hierzu die Unterstützung von Heimatkunde sowie der Heimatpfleger.

Eine Aufgabe besteht auch darin die Gemeinde Seehausen am Staffelsee bei ihrer Verpflichtung, Einrichtungen für das kulturelle Wohl ihrer Einwohner zu schaffen und Kultur- und Archivpflege sowie Volksbildung zu betreiben, zu unterstützen. Auch soll den Feriengästen durch das neue Museum die Möglichkeit gegeben werden, sich mit der Geschichte, den Bräuchen aber auch der Kultur des Ortes zu beschäftigen. Durch Sonderausstellungen sollen neue Bereiche der Geschichte, Künstler oder auch historische Begebenheiten und Persönlichkeiten den Einheimischen und Gästen präsentiert werden.

Die Zielsetzung für die Region bzw. das LAG-Gebiet

Durch die Erweiterung des kulturellen Angebots für die Einheimischen / Landkreisbewohner, aber auch im Besonderen für die Urlaubsgäste des LAG-Gebiets, ist die touristische Bedeutung des Projekts hervorzuheben. Das neue, den aktuellen Bedürfnissen und Anforderungen angepasste Museum, reiht sich somit nahtlos in die bereits bekannten Einrichtungen der Region, wie das Schloßmuseum, das Werdenfelsmuseum, das Oberammergau Museum usw., ein. Durch die Vertiefung der Zusammenarbeit mit diesen Museen, ist dieser Verbund durchaus als attraktives kulturelles Aushängeschild der Region zu sehen. Die regionale Identität der Institutionen zeigt den Besuchern die Vielschichtigkeit der Umgebung, sowie die „Besonderheiten“ der Bewohner.

Die überregionale Zielsetzung

Durch das neue Staffelseemuseum erhoffen wir uns durchaus einen erheblichen Zuwachs an Tagesausflüglern aus den Nachbarregionen bis München, Augsburg und der Tölzer Gegend. Ebenso erhoffen wir uns durch unsere wechselnden hochwertigen Sonderausstellungen eine noch höhere Wertschätzung bei diesen Besuchern und somit die Erweiterung unserer „Stammgäste“. Das diese Tagesausflügler auch für das gesamte LAG-Gebiet durchaus positiv zu bewerten sind, bleibt außer Frage.

Man kann hier insgesamt von einem umfangreichen Kultur- und Bildungsauftrag für den Freistaat Bayern sprechen, welchem wir durch das neue Staffelseemuseum, vollends gerecht werden wollen.


Fotos: LAG Zugspitz Region

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