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Natur & Kultur  Wirtschaft & Tourismus

Landkreis Ranger Garmisch-Partenkirchen - Sensibilisierung von Freizeitsuchenden für naturverträgliches Verhalten in den Natur- und Kulturlandschaften

Landkreis Ranger Garmisch-Partenkirchen - Sensibilisierung von Freizeitsuchenden für naturverträgliches Verhalten in den Natur- und Kulturlandschaften

Projektzeitraum: 01.06.2021 - 31.05.2024
Projektinitiator: Landkreis Garmisch-Partenkirchen
Gesamtkosten: 235.334,81 €
Fördersatz: 60 %
Förderung: 141.200,89 €
Status: befürwortet, noch nicht in Umsetzung

Die Landkreis-Ranger bilden das „Mittel“ zwischen Gebietsbetreuern und der Naturschutzwacht. Die Ranger sollen dabei in das bestehende System von Gebietsbetreuern und Naturschutzwacht eingeordnet werden und den großen Mangel an aufklärenden Akteuren im Gelände beheben. Sie sollen in den sensiblen Schutzgebieten des Landkreises Erholungssuchende über naturverträgliches Verhalten aufklären, auf die sensible Flora und Fauna und den damit einhergehenden Schutzgebietsbestimmungen aufmerksam machen und für deren Akzeptanz werben. Ihr Wirkungskreis umfasst jedoch nicht die Fläche des Naturparks Ammergauer Alpen. Diese Fläche wird von den bereits installierten Naturpark-Rangern abgedeckt und betreut. Als Multiplikatoren sollen sie örtliche Naturschutzwachten aus ehrenamtlichen Bürgern aufbauen, diese mitausbilden und koordinieren, um somit das ehrenamtliche Engagement vor Ort zu stärken.

In Abstimmung mit den Gebietsbetreuern soll als Gemeinschaftsaufgabe ein Netzwerk zwischen bereits installierten Aufsichtspersonen (Naturparkranger Ammergebirge, Berufsjäger, Förster, Flurwart, bestehende Naturschutzwacht, Polizei), Gebietskennern (Bergwacht, Bergführer) und weiteren Akteuren (Weidegenossenschaften, LBV, BUND, almwirtschaftlicher Verein, BBV, DAV und der neu geschaffenen Stelle für die Thematik Lebensraum Wald, Wild, Mensch) aufgebaut und stark ausgebaut werden, um eine bestmögliche Flächenpräsenz in den betroffenen und empfindlichsten Gebieten zu erreichen. Der Dialogprozess soll gefördert werden. Die Sensibilisierung umweltbewussten Verhaltens soll durch mediale Öffentlichkeitsarbeit u.a. in den sozialen Medien ergänzt werden. Kampagnen zum umweltbewussten Verhalten in der Natur wie „Skibergsteigen umweltfreundlich“ oder „Dein Freiraum. Mein Lebensraum“ sollen gestärkt bzw. im Landkreis etabliert werden. Zudem könnten neue Aufklärungskampagnen zu weiteren Thematiken entwickelt werden.

Die Ranger sollen weiterhin naturverträgliche Besucherlenkungskonzepte initiieren bzw. an deren Erarbeitung mitwirken. Insbesondere sollen hier auch digitale Medien wie OSM, komoot etc. miteinbezogen werden („digitaler Ranger“).

Durch eine umweltbewusste Verhaltensänderung von Touristen sowie der Rücksicht auf Einheimische und Landwirtschaft soll zudem ein Beitrag zum Frieden zwischen Tourist und Einheimischen geleistet werden, der in den letzten Jahren durch rücksichtloses Verhalten einiger Gäste stark gelitten hat. Gerade in diesem heiklen Bereich übernimmt der Landkreis-Ranger die Stellung eines Mediators. Zum Ablauf des Förderzeitraums soll eine Evaluation der geleisteten Arbeit erfolgen.

Natur und Bürger des Landkreises Garmisch-Partenkirchen leiden stark unter einem hohen Besucherdruck („Overtourism“), insbesondere durch Tagestouristen. Im „Covid-Sommer“ 2020 kam es durch „Urlaub dahoam“ und flexible Arbeitszeitmodelle, die auch unter der Woche spontane Ausflüge ermöglichen, an Spitzentagen zu einer überfallartigen Situation nicht nur in den Schutzgebieten des Landkreises. Dies geht einher mit einer vermehrten Störung empfindlicher Tierarten, der Zerstörung empfindlicher Vegetation und einer erheblichen Müllproblematik. Landwirte und Almbauern beklagen Störungen des Almviehs, das Betreten von Wiesen während der Aufwuchszeit und Verunreinigungen mit Hundekot, Forst und Jagd Störungen von Wildeinständen und Behinderungen des Jagdbetriebes. Auf den Seen und in geschützten Verlandungsbereichen befinden sich an manchen Tagen hunderte Boote und Schwimmkörper, Konflikte zwischen Radlern und Fußgängern haben weiter zugenommen. Ein spezielles Problem ist das Aufsuchen bisher völlig unberührter und ruhiger Bereiche durch einzelne Naturfreunde, Abenteurer etc. zu allen Tag- und Nachtzeiten.

Die kostbaren und empfindlichen Natur- und Kulturlandschaften des Landkreises werden vermehrt als Kulisse für sportliche Herausforderungen (oder für Instagramability-Effekte) gesehen. Hinzu kommt eine gewisse Naturentfremdung und Unkenntnis ökologischer und landwirtschaftlicher Zusammenhänge bei vielen Besuchern.

Deshalb müssen Besucher nach Überzeugung der Verantwortlichen im Landkreis stärker gelenkt und informiert sowie für naturschutzfachliche Belange und ein umweltbewusstes Verhalten im Gelände sensibilisiert werden.

Um das zu erreichen sollen drei neue Landkreis-Ranger halbtags eingestellt werden, die vorrangig in den sensiblen Schutzgebieten Freizeitsuchende aufklären, auf die sensible Flora und Fauna und den damit einhergehenden Schutzgebietsbestimmungen aufmerksam machen und für deren Akzeptanz werben. Als Multiplikatoren sollen sie darüber hinaus örtliche Naturschutzwachten aus ehrenamtlichen Bürgern aufbauen, diese mitausbilden und koordinieren.


Foto: LAG Zugspitz Region

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