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Natur & Kultur  Wirtschaft & Tourismus

Naturtourismuskonzept an der Ammer

Naturtourismuskonzept an der Ammer

Erstellung

Projektinitiator: Tourismusverband Pfaffenwinkel
Projektpartner: LAG Auerbergland-Pfaffenwinkel
Gesamtkosten: 29.708,35 €
Förderfähige Kosten: 24.965,00 €
Fördersatz: 70 %
Förderung: 8.737,75 €
Status: befürwortet, noch nicht in Umsetzung

Projektinhalt:

Mit der Erstellung eines integrierten Naturschutz- und Tourismuskonzeptes für die Ammer als Grundlage für aufeinander abgestimmte Maßnahmen aus Natur- und Umweltschutz sowie des Tourismus sollen unterschiedliche Projektziele erreicht werden. Dies sind beispielsweise die Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung für die Schonung sensibler Bereiche von Flora und Fauna, die Etablierung der Ammer als "Wildfluss" in der Wahrnehmung von Freizeitnutzern sowie die Entwicklung neuer attraktiver Angebote in den geeigneten Bereichen.

Verlauf der Ammer

Die Ammer ist ein Fluss im bayerischen Alpenvorland und bildet zusammen mit der Amper ein zusammenhängendes Flusssystem. Der Name Ammer bezeichnet den Oberlauf bis zum Ammersee, Amper den Abschnitt vom Seeausfluss bis zur Mündung in die Isar bei Moosburg. Das über weite Bereiche naturnahe Flusssystem ist mit etwa 185 Kilometern Länge und einem mittleren Abfluss von 45 m³/s vor der Loisach der wichtigste Zufluss der Isar.

Der Quellbereich der Ammer befindet sich südwestlich von Oberammergau im Bereich des Ammergebirges. Die verschiedenen Quelltöpfe werden aus dem hier zutage tretenden Wasser der Linder gespeist, einem kleinen Gebirgsbach unmittelbar an der Grenze zwischen Tirol und Bayern. Nördlich von Unterammergau verlässt der Fluss nach ungefähr 15 Kilometern die Bayerischen Alpen und durchfließt anschließend das Ammer-Loisach-Hügelland. In dieser aus den Ablagerungen des Isar-Loisach-Ammersee-Gletschers während der Würmeiszeit entstandenen Jungmoränenlandschaft schneidet sich die Ammer bis zu 80 Meter tief in die Moränen und in die darunter anstehende Molasse ein. Sie formte so die in Deutschland einzigartige, canyonartige Ammerschlucht. Dort finden sich Formationen wie die Kalktuffablagerungen der Schleierfälle als besonderes Naturdenkmal. Bei Peißenberg verlässt die Ammer die Schlucht und durchfließt ein lang gestrecktes, breites Tal, bis sie östlich von Dießen in den Ammersee mündet. Gegenstand dieses Projektes ist die Ammer von der Quelle bis zur Mündung in den Ammersee.

Touristische Nutzung

Die Ammer ist über weite Teile auch touristisch von Bedeutung. Neben sehenswerten Orten wie Oberammergau und Weilheim ist vor allem der Ammersee ein viel genutztes Ausflugsziel. Entlang der Ammer sind die Schleierwaserfälle bei Wildsteig und die Echelsbacher Brücke die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten. Beliebte Ausflugsziele sind zudem der Ammerdurchbruch bei Scheibum und der Kalkofensteg. Über weite Strecken wird der Fluss von Radwanderwegen gesäumt, die Touren von den Alpen bis zur Ampermündung bei Moosburg an der Isar ermöglichen. Das Befahren der Ammer vor allem mit Kajaks ist über fast die gesamte Strecke möglich, aber nicht das ganze Jahr erlaubt. Für Wildwasser-Experten gehört der Oberlauf der Ammer zu den Highlights in den bayerischen Alpen, während es nach der Ammerschlucht gemächlicher zugeht und die Ammer bei gemütlicheren Bootstouren erlebt werden kann. An vielen Stellen finden sich Möglichkeiten zum Baden und Picknicken, meist jedoch nicht gesondert ausgewiesen.

Energiegewinnung

Eine gewisse Problematik stellt in diesem Zusammenhang die Nutzung der Ammer für die Energiegewinnung dar. Das erste Bahnkraftwerk der Welt für Einphasenwechselstrom, das Kraftwerk Kammerl, wurde 1898 westlich von Saulgrub im Ammertal in Betrieb genommen und diente zur Versorgung der 23 km langen Strecke zwischen Murnau und Oberammergau. Diese Bahnlinie nahm 1905 den ersten fahrplanmäßigen elektrischen Zugverkehr auf. Im Zusammenhang mit der Nutzung der Ammer für die Energiegewinnung ist die Situation recht positiv. Einzig das private KWK an der Ammermühle stellt noch heute eine gewisse Einschränkung der Durchlässigkeit für Fauna und Geschiebe dar. An anderen kleineren Schwellen und Wehren wird heute kein Wasser mehr aufgestaut und deren Durchlässigkeit wurde durch verschiedene bauliche Maßnahmen stark verbessert. Diese „Natürlichkeit“ des Flusslaufes unterscheidet die Ammer von anderen deutschen Alpenflüssen wie die Isar oder beispielsweise der stark regulierte Lech. Gerade diese Eigenschaft der Ammer bietet eine sehr positive Grundlage für ein Tourismuskonzept mit Vorbildcharakter für eine Flussentwicklung unter naturschutzfachlichen Aspekten. Damit ist die Ammer auch ein richtungsweisendes Beispiel für die Renaturierung von Flussab-
schnitten der anderen Alpenflüsse in Bayern.

Umwelt- und Naturschutz

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der natürliche Verlauf der Ammer durch Begradigungen, den Hochwasserschutz und durch den Bau von Kraftwerken stark verändert – mit weitreichenden Folgen für die einheimische Tier- und Pflanzenwelt. Die Durchgängigkeit des Fließgewässers wurde zum Beispiel an mehreren Stellen durch Wehre gestört. Dadurch wird die Wanderung und die Verbreitung von Fischen flussauf- bzw. flussabwärts erschwert oder sogar unmöglich gemacht. Auch die Eindeichung in
einigen Bereichen bedeutete einen Eingriff in das ökologische Gleichgewicht. Die Auwälder wurden durch die Deiche vom natürlichen Wasserzufluss abgeschirmt, so dass der Auwald nur noch in kleinen Resten vorhanden ist. Um zumindest in Teilbereichen die ursprüngliche Flusslandschaft zu erhalten, wurden mehrere Naturschutzgebiete ausgewiesen.

Die Flusslandschaft bietet vielen seltenen Vogelarten einen Lebensraum, wie Wasseramsel, Eisvogel und Großer Brachvogel. Eine Besonderheit ist das Vorkommen des Schwarzstorchs. Der ebenfalls als gefährdet geltende Flussuferläufer baut seine Nester gut getarnt inmitten des Gerölls der Kiesbänke,
wo Erholungssuchende sie meist gar nicht bemerken. Die Besucher können deshalb während der Brut-zeit dieses Vogels unwissentlich so sehr stören, dass der Bruterfolg ausbleibt. Im Uferbereich wie auch auf den Kiesbänken kommen auch zahlreiche Amphibien und Reptilien vor, die ebenfalls empfindlich auf Störungen reagieren. Besonders im oberen, aber teilweise auch im mittleren Flussabschnitt schüttet der Fluss durch Erosion und Sedimentation immer wieder offene Schotter- und Kiesflächen auf. Dort siedeln sich Pionierpflanzen wie Alpen-Leinkraut, das Gelbblütige Habichtskraut und die seltene Deutsche Tamariske an. Die Ammer ist einer der letzten Wildflüsse in Deutschland, deren Lauf nicht durch große Staudämme oder lange Wasserableitungen verändert wurde. Wasser und Kies können relativ ungehindert ihrem natürlichen Weg folgen. Dabei formen sie die charakteristische Flusslandschaft, in der mit jedem Hochwasser Lebensräume entstehen und auch wieder verschwinden. Diese Dynamik und der stete Wandel machen sie als Naturjuwel so wertvoll und schützenswert. Trägt Hochwasser die Kiesbank nicht wieder ab, dann wachsen hier nach einigen Jahren auch Weiße Silberwurz, Wacholder und schließlich sogar verschiedene Weidenarten. In den letzten verbliebenen Auwäldern sind Grauerlenwälder und am Unterlauf der Amper auch Traubenkirschen-Erlen-Eschenwälder verbreitet. Entlang der Ammer hat sich eine Reihe von Mooren entwickelt, die für ihre bunte Blumenwelt bekannt sind, so zum Beispiel das Ettaler Weidmoos südlich von Oberammergau.

Damit zeigt sich die Ammer in einem Spannungsfeld zwischen Naturschutz und der (insbesondere touristischen) Nutzung, die sich grob in drei verschiedene Abschnitte gliedern lässt:

1. das sensible Quellgebiet mit Wildflusscharakter, Schluchten und naturschutzfachlich hoch bedeutsamen Bereichen;
2. der Bereich zwischen Kalkofensteg bis hinter Weilheim, der bereits vielfältig genutzt, jedoch kaum gelenkt wird;
3. der ebenfalls sehr sensible Mündungsbereich in den Ammersee auf Pähler Gemeindeflur.

Projektziele:

  • Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung, um die sensiblen Bereiche und Arten, (Flora und Fauna) zu schonen
  • Stärkung der Identifikation der lokalen Bevölkerung mit der Ammer
  • Etablierung der Ammer als „Wildfluss“ in der Wahrnehmung von Freizeitnutzern, mit allen dazugehörenden Möglichkeiten und Einschränkungen
  • moderne Besucherlenkung und Naturerlebnis in den Bereichen, die für eine Freizeitnutzung geeignet sind
  • Entwicklung neuer attraktiver Angebote in den geeigneten Bereichen

Bildnachweis: Copyright Tourismusverband Pfaffenwinkel, Foto: Wolfgang Ehn

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